Home
Über diesen Site
Meine Enten
Raid France
Nordengland
Piemont
Marokko
Korsika
Nordgriechenland
Klammhöhe
Bernhardsthal
Bretagne
Australien
Australien II
Dänemark (von Sabine & Sloten)
Raid Austria Ost
E-Mail
«  ^  »

"Ent"-deckungsreise durch Piemont

Vinadio rief - und alle kamen! VinadioDer Treffenplatz rund um bzw. direkt im Fort bot eine einzigartige Atmosphäre, er war stimmungsvoll wie selten einer zuvor. Dass es ein bisschen staubte, machte der Bach, die Stura, wieder gut - die geschicktesten Wehrbauer ließen darin sogar ein Schwimmbecken entstehen. Das beste an jedem Treffen ist aber das Wiedersehen mit den vielen alten und neuen Freunden, und so tauchte ich am Ankunftstag ein in dieses Ereignis, das mich vollständig aufsog, sodass ich erst am letzten Tag wieder zu mir kam und dachte: Toll war's, doch jetzt ist's Zeit für etwas Neues.

Und so begann am Montag nach dem Treffen unsere Piemont-Reise mit Fritz und dessen Sohn Albert. Durch ihre persönliche Geschichte geprägt, waren sie beide des Italienischen ziemlich mächtig, was auch uns recht zugute kam, hatten wir doch gleich unsere Sprachführer dabei.

Zuallererst sollte es aber über den Colle della Maddalena nach Frankreich gehen und weiter zum Col de la Bonnette, Col de la Bonnettemit über 2800 m der höchste Pass Europas. Scharen von Treffenausflüglern hatten bereits seine Schönheit gerühmt und ihn uns als lohnendes Ziel wärmstens empfohlen. Er hielt durchaus, was uns versprochen wurde, wir erspähten Murmeltiere - doch leider machten sich auch fehlende Bremsbeläge unangenehm bemerkbar.

Wir verbrachten die Nacht in Frankreich, in angenehm kühlen Höhen. Über das Skigebiet Isola 2000 - von französischer Seite über eine breit ausgebaute "Bergautobahn" zu erreichen, von italienischer Seite über ein wildes Strasserl, das eher nach unserem Geschmack war - führte uns der Weg also wieder zurück nach - Vinadio, wo die Aufräumarbeiten in vollem Gang waren, ein Seniorenheim gerade zu Besuch weilte und der Bürgermeister noch nachträglich über den "größten Event, den Vinadio je erlebt hätte" ins Schwärmen geriet.

Man nannte uns eine Adresse in Cuneo - also nichts wie hin und neue Bremsbeläge erstanden. Da wir nun schon einmal da waren, besichtigten wir gleich die Innenstadt: auf der riesigen Piazza Galimberti fand gerade der Markt statt. Unter den Lauben der Via Roma war's auch heiß, aber wenigstens schattig. Eines der vielen Gelati, die wir uns noch genehmigen sollten, hielt uns am Leben. Den Abend ließen wir in einem gepflegten Restaurant mit köstlichen Piemonter Spezialitäten ausklingen.

Am nächsten Tag wollten wir den Col du Tende in Angriff nehmen und von dort auf einer abenteuerlichen Straße in die angrenzende Bergwelt vordringen. An einer Tankstelle trafen wir auf Lynn und Andy, einer alten, schon in Griechenland eingeübten Tradition folgend. Wir tauschten kurz unsere Erlebnisse und weiteren Pläne aus, und Lynn konnte ihre gemischten Gefühle angesichts unseres Vorhabens kaum verbergen. Ein letzter Einkaufsbummel im hübschen Städtchen Limone Piemonte, und dann ging's los. Kurz vor dem Tunnel rechts abgezweigt, und schon wand sich die Straße in vielen Serpentinen den Pass hinauf. Oben mal schnell ein unscheinbares Fahrverbotsschild ignoriert, und wir tauchten ein in eine einzigartige Berglandschaft, ein überwältigendes Felspanorama, das uns gefangennahm. Bald wurde die anfänglich recht gute Straße aber deutlich schlechter, die Bedingungen verschärften sich - es wurde steil und steinig. Ungläubig-bewundernde Blicke der übrigen Straßenbenutzer, durchwegs mit Allrad-Antrieb ausgestattet. Bald sollten wir wissen, warum. Erinnerungen an harte Marokko-Zeiten wurden wach, die Ente litt, und wir fragten uns, warum wir ihr das angetan hatten. Übel zugerichtet und mit Schürfwunden an der Seele, fragten wir irgendwann, wie weit es denn noch sei. Wir trauten unseren Ohren nicht, als wir etwas wie "trenta chilometri" vernahmen, allerdings würde die Straße dann wieder besser. Wir fügten uns in unser Schicksal, das wir herausgefordert hatten. MarguareisIn der Nähe erblickte ich ein Murmeltier und in der Ferne - 2CVs, tatsächlich, die Enten der Mountain Raid, die uns entgegenkamen! Sie sprachen von der guten Straße, die hinter ihnen lag, und so fuhren wir etwas zuversichtlicher weiter, alsbald in tiefere Regionen, wo es wieder Wald gab. Auf einer Lichtung schlugen wir unser Nachtlager auf und nahmen Zuflucht zu wärmeren Klamotten.

Tags darauf ging's noch auf den Gipfel des Mt. Saccarel, bevor wir die Berge wieder verließen (Asphalt unter den Rädern kann so gut tun!). Anschließend verbrachten wir zwei Tage an der Küste, wo es uns aber wegen Überfüllung weniger gefiel. Einzig das Schwimmen im Meer vor dem Frühstück möchte ich nicht missen. Wir besuchten Noli mit seinen eindrucksvollen Felsen, die steil ins Meer abfielen, badeten ein letztes Mal und fuhren dann ins Landesinnere weiter. In Calizzano war's angenehm ruhig und doch auf seine Art wieder geschäftig - wir fanden alles, was wir brauchten: eine Panetteria mit knusprigen Grissini, eine Bar mit Frappés in den verschiedensten Geschmacksrichtungen, ein Telefon, mit dem Fritz einem Reisbauern der Poebene unseren Besuch ankündigte, und einen Campingplatz, in dessen Restaurant auch vorzüglich gekocht wurde. Ein vertrautes Geräusch ließ uns aufhorchen: Unsere französischen Nachbarn vom Treffenplatz in Vinadio fuhren ein! Unterwegs mit der Ente ist man halt nie allein...

MondovíAm nächsten Tag zielen wir zunächst Mondoví an, vor allem seine mittelalterliche Oberstadt, "Piazza" genannt. Albert befindet, das sei ein würdiger Ort für ein "gesessenes Eis", und so lassen wir uns in der Cremeria Antico Borgo nieder. Am Nebentisch zeigt ein Italiener Plakate mit Heißluftballonen und erzählt uns wenig später, dass er morgen ins Waldviertel aufbrechen würde, zu einem Wettbewerb der Ballonfahrer... Auf dem Weg nach Alba kommen wir auch durch das Weindorf Barolo, und in der Enoteca Regionale im Schloss verkosten wir den berühmten, aber unverschämt teuren Barolo. Nach einem Abendspaziergang durch Alba landen wir schließlich in Agliano, bei Vicky und Bobby. Es wurde eine lange und fröhliche Nacht der Tafelfreuden!

Dann war Sonntag - und Asti ziemlich ausgestorben. Man konnte in aller Ruhe spazieren gehen und lernte die öffentlichen Brunnen schätzen, von denen wir keinen ausließen, um Abkühlung zu suchen. In der Weinstadt Asti gibt sich sogar die Kathedrale weinbelaubt und wird deshalb "La Vigna" genannt. Im September findet auf dem großen Platz der Palio statt, das Pferderennen, eine Woche vorher ein kulinarisches Fest, und es soll Leute geben, die extra deswegen wieder anreisen wollen. Den Nachmittag verbrachten wir am Swimmingpool - so entspannt haben wir uns schon lange nicht!

Am Montag steuern wir - nach einer großen Verabschiedungsszene - als erstes den gedeckten Lebensmittelmarkt in Asti an, wo wir uns mit Prosciutto, Käse, eingelegten Oliven, Grissini und Salatini und dergleichen eindecken. Dann geht's weiter nach Turin: Hier ist's extrem heiß, und am Montag hat alles geschlossen (Albert hatte uns ja vorgewarnt!). Wir schlendern oder besser gesagt: schleppen uns durch die heiße, fast menschenleere Stadt. Sogar die "Mole", das Wahrzeichen Turins, hat zu. Nur die Gelati richten uns wieder auf. Bei unserem Spaziergang kommen wir am Palazzo Carignano vorbei, mit seiner schönen Fassade. Jede "fonte pública" wird freudig begrüßt. Der Königspalast, der Dom mit dem berühmten Turiner Leichentuch (Sindone genannt), die rote Porta Palatina aus der Römerzeit - mittlerweile sind wir ziemlich geschafft. Wir campieren auf einem Hügel und halten Siesta.

Abends fuhren wir nach Superga hinauf, einem Hügel, auf dem eine mächtige Basilika die Gräber der Savoyer beherbergt. Von dort hat man einen herrlichen Blick hinunter auf die Stadt. Turin selbst dehnt sich in einer Ebene, ist jedoch umkränzt von Bergen und Hügeln. Es gingen gerade die Lichter an - und wurden allmählich zum Lichtermeer! Der aufgehende Vollmond tat das seine zu dieser Szenerie.

Turin, MoleTags darauf fuhren wir im gläsernen Lift die Mole hinauf und genossen den Blick vom Turiner Wahrzeichen. Dann ins Automobilmuseum, das in einer Stadt wie Turin natürlich nicht fehlen darf. U.a. war dort die Entwicklung des Reifens recht anschaulich dokumentiert. - Von Torino ging's dann direkt nach Bianzé, wo uns der Reisbauer Cesare Ferraris samt Familie erwartete. Er führte uns auf seine Risaia, zeigte uns die Reisfelder und Bewässerungskanäle wie auch die Anlagen zum Schälen des Reises. Wir hatten uns auf eine heiße Nacht im Reisfeld, mit Millionen von Gelsen, gefasst gemacht, doch wir schliefen im klimatisierten Zimmer, nachdem wir auf das reichlichste und herzlichste bewirtet worden waren.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen: Fritz und Albert blieben noch ein paar Tage in Piemonte; wir mussten unter sengender Hitze die Heimreise antreten. Einmal noch in Südtirol übernachtet, dann hatte uns die Heimat wieder. Doch wir haben Piemont, eine eher abseits der Touristenströme gelegene Region Italiens, mit all seinen Schätzen kennengelernt und liebgewonnen.

Übrigens: Falls der Eindruck entstanden ist, dass in diesem Artikel recht häufig vom Essen die Rede ist, so liegt das sicher auch daran, dass in Piemont die Slow-Food-Bewegung gegründet wurde, was ja einiges über die Essenskultur dieses Landstrichs aussagt...

Eva Kretschy

 

0.010 s Bearbeitungszeit, 0.001 s IT[X], 0.002 s Menu 3, Sprache = de